Pleiten, Pech & Pannen

Pleiten, Pech & Pannen

Eigentlich wollte ich euch in meinem neuen Beitrag von meinen schönen Erlebnissen und Ausflügen erzählen – Aber diese Story muss ich zuerst mit euch teilen:

Am letzten Donnerstag, also meinem letzten Kurstag der Woche, wollte ich schnellstmöglich nach Hause fahren, ich ging also vollbepackt zu meinem Auto und musste dort feststellen, dass mein Auto sich nicht mehr über den Knopf des Anhängers öffnen ließ, der eigentliche Schlüssel, der das Auto startet, passt dummerweise nicht in die Türen. Ich dachte also, dass die Batterie vom Schlüssel gewechselt werden muss und machte mich auf die Suche nach Batterien. Nachdem mir auf dem Campus niemand weiterhelfen konnte, lief ich zu Fuß zum nächsten CVS (Drogeriemarkt) und fragte zuerst nach etwas um den Anhänger aufzubekommen, aber dort konnte mir niemand helfen. Ich hatte dann das Batterieregal gefunden und stand nun vor der Frage welche Batterie die richtige ist. Aber ohne das Teil aufzubekommen, bringt mir auch die passende Batterie nichts. Ich habe bestimmt eine halbe Stunde im Laden gestanden und an dem Teil rumgepuhlt, bis Alan, mein Hostdad die Info über die richtige Batterie und ein Video zum Öffnen schickte. Mit den letzten verbleibenden Prozenten meines Handyakkus schaute ich mir also dieses Video an und musste feststellen, dass nur ein Schraubenzieher Abhilfe schaffen kann – klar, habe ich ja immer dabei. Nachdem mir im CVS niemand sagen konnte, ob und wo es Werkzeug gibt, machte ich mich auf die Suche und wurde fündig. Ich setzte mich auf die Bordsteinkante vor dem Laden und packte meine „Utensilien“ aus. Endlich konnte ich die Batterie wechseln!

Plötzlich parkte ein Auto direkt neben mir und ein junger Mann stieg aus und find an mit mir zu reden. Ehrlich, ich dachte mir „Bitte nicht schon wieder irgendein Creep“. Es muss schon komisch ausgesehen haben wie ich da vollkommen erschöpft und bepackt an meinem Schlüsselbund rumbastelte. Aber – da habe ich Glück gehabt, denn Wali kennt sich mit Autos aus und wir haben uns nett unterhalten. Voller Hoffnung machte ich mich also auf Richtung College und freute mich auf meinen Feierabend. Am Auto angekommen musste ich allerdings feststellen, dass mein Auto sich immer noch nicht öffnen ließ. Ich bin ins nächste Gebäude rein und wollte erstmal eine Steckdose suchen, hatte aber natürlich nicht den richtigen Adapter dabei. Dort habe ich ein sehr liebes Mädchen getroffen, die mir ihr Ladekabel ausgeliehen hat und mit mir die Zeit überbrückte, bis jemand kam, um mein Auto zu öffnen. Der Dienstleister brauchte meine 5 Sekunden und schon war mein Auto offen – das macht dann 150 $ – wie bitte? Telefonisch wurde mir von 50 $ berichtet. Ich hatte natürlich weder so viel Bargeld dabei, noch konnte ich mir die vorgeschlagenen Apps zum Geldtransfer runterladen. Gut, also zur Bank. – Ach ne, das Auto startet ja gar nicht, denn die Batterie des Autos war das Problem und nicht die des Steckers. Da die Typen das Geld natürlich sofort wollten, planten wir mit deren Auto zu fahren, gerade als ich einsteigen wollte, kamen aber meine Hosts angefahren. (Schade, da habe ich gerade meine Chance verpasst mit einem Tesla zu fahren!) Bei der Bank musste ich dann nochmal eine halbe Stunde anstehen, nur um Bargeld zu bekommen. Zurück auf dem Parkplatz starteten wir also mein Auto, in der Zwischenzeit traf auf Wali, der Typ von vorhin ein, dessen Hilfe ich in Anspruch nehmen wollte, leider etwas zu spät, da die Typen vom Dienstleister ohne zu Fragen schon früher mein Auto öffneten. Somit hätte ich mir also auch das Geld sparen können.

Ja und warum ist mir das ganze nun passiert? Ganz einfach, weil ich morgens vergessen hatte das Licht auszuschalten! 😀

#6 Bürokratische Hürden

#6 Bürokratische Hürden

In den letzten Wochen ist ziemlich viel passiert, mittlerweile ist mein neuer Alltag eingekehrt. Zuerst musste ich meine Social Security Nummer beantragen, dies kann man aktuell (natürlich wegen Corona) nur mit einem Termin machen, den man frühestens 14 Tage nach Einreise in den USA bekommt. Die Social Security Nummer ist die wichtigste Nummer überhaupt, die man bei einem längeren USA Aufenthalt benötigt. Nach mehreren Versuchen und Anrufen, hatte ich endlich einen Termin bekommen. In der Zwischenzeit wollte ich probieren ein Bankkonto zu eröffnen. Dazu waren wir bei verschiedenen Banken, die uns abwiesen und sagten, wir sollen auf die SSN warten, man bekomme die auch schon bei der Antragstellung mitgeteilt und müsse nicht auf die Karte warten.

Wir haben dann aber doch eine Bank gefunden, die ein kostenloses Konto ohne SSN erstellt. Dafür brauchen sie aber mehrere Dokumente, die Nachweisen, dass ich wirklich an der Adresse wohne – ist natürlich schwierig, wenn man erst ein paar Tage da ist. Außerdem wollten sie noch meinen Studentenausweis sehen, den ich natürlich erst bekommen kann, nachdem ich mich für die Kurse registriert habe. Für die Kurse konnte ich mich aber erst registrieren, wenn alle anderen Dokumente genehmigt sind. Nach mehreren Wochen konnte ich dann endlich mein Bankkonto eröffnen.

Wer länger als 30 Tage in Georgia ist, benötigt eine Georgia Driver’s License. Dafür muss man einen Knowledge Test, Sign Test und einen Road Test ablegen. Für diesen habe ich die ersten Wochen geübt und den Test Anfang September abgelegt. Für die Fahrprüfung braucht man aktuell einen Termin, diese waren in meiner Region jedoch bis Ende Oktober ausgebucht, ich wusste aber, dass ich den Führerschein so schnell wie möglich machen muss, da ich sonst nicht mehr mit meinem Internationalen Führerschein fahren konnte – und das geht ja nicht, weil ich ohne Auto nirgendwo hinkomme. Um die Prüfung abzulegen, muss man aber erstmal seine Social Security Card bekommen und die lies auf sich warten. Wir haben also alle Prüfstellen in Georgia abgeklappert und endlich einen früheren Termin bekommen, der war allerdings 2 Stunden entfernt in den North Georgia Mountains. Da meinen Hosts kein Weg zu weit für mich ist, machten wir uns also am Tag des Termins auf den Weg nach Blue Ridge, wir hatten extra eine Stunde mehr eingeplant, um pünktlich zu sein (und naja weil Sara und Alan immer spät dran sind). 20 Minuten vor geplanter Ankunft gerieten wir aber in einen Stau, es bewegte sich nichts mehr, es gab keine alternative Route und so warteten wir eine Ewigkeit. Mit der vorangeschrittenen Zeit im Blick wusste ich, dass es immer knapper wird den Termin wahrzunehmen, ich rief bei der Prüfstelle an und nachdem ich eine halbe Stunde in der Warteschleife war, sagte mir die Frau (im Homeoffice), dass sie auch nicht wüsste ob ich den Termin verschieben kann oder trotzdem noch rankommen würde –  und natürlich könne sie niemandem vor Ort Bescheid geben. Nach über einer Stunde stillstand hatte ich versucht einen anderen Termin in einem anderen Ort zu buchen, wir wollten aber trotzdem noch nach Blue Ridge fahren und es wenigstens versuchen. Mit sehr viel Verspätung dort angekommen, wurde ich dort ganz locker Empfangen und nach kurzer Wartezeit durfte ich tatsächlich noch meinen Test antreten – In den Bergen, weit weg von größeren Städten sind die Menschen super locker.  Der Test bestand aus verschiedenen Parkübungen, Rückwärtsfahren und 10 Minuten im Ort umherfahren – also alles machbar. In den USA wird man in seinem eigenen Auto geprüft, ich musste mir also wieder ein Auto meiner Hosts leihen und diesmal wurde es der Van, nicht ganz so spaßig einzuparken aber es hat alles geklappt!

In der Zwischenzeit haben wir schon angefangen nach Autos zu schauen, es waren wirklich viele Fahrzeuge in schlechtem Zustand. Nicht gereinigt, Dellen, Kratzer, Lack ab oder komplett fehlende Teile. Bei einem qualmte es aus der Motorhaube, bei anderen war die Batterie leer. Einen Tüv gibt es hier nicht. Die Autosuche erstreckte sich über mehrere Wochen und war ganz und gar nicht einfach. Viele Händler kamen einfach nicht zum verabredeten Termin und die allermeisten Händler verkauften Autos nur als Nebenverdienst und konnten nichts zu den Fahrzeugen sagen. Gleich zwei Autos, die ich kaufen wollte, wurden mir vor der Nase weggeschnappt. Aktuell sind die Preise für Gebrauchtwagen gestiegen und die Nachfrage ist hoch.  Nach 7 Wochen war es dann endlich soweit – ich habe das passende Auto für mich gefunden. Entgegen meiner Pläne es zu einer Werkstatt zu bringen und eine Nacht drüber zu schlafen, gab ich dem privaten Verkäufer Bargeld und fuhr das Auto direkt nach Hause, der nächste Interessent wartete nämlich schon. Nochmal wollte ich es nicht riskieren.

Es ist ein 2005 Toyota Matrix mit schon 190000 Meilen geworden.

Wenn ihr nun glaubt die bürokratischen Hürden wären vorbei, dann liegt ihr falsch. Jetzt ging es erst richtig los. Das Auto verbrachte nun eine Woche in der Garage.  Um in Georgia ein Auto anzumelden, benötigt man so einiges an Papierkram. Als erstes eine Versicherung – diese machten mir Angebote für 300 – 400 $ monatl.!! Nach mehreren Telefonaten, besuchen bei Versicherungsbüros und Vergleichsportalen habe ich ein Angebot für 166 $ monatl. bekommen. Mein deutscher und internationaler Führerschein und die Fahrerfahrung werden hier nicht anerkannt, man hat einen schlechten Credit Score und gilt als Fahranfänger. Nachdem ich alle anderen Dokumente zusammen hatte, fuhr ich zur Zulassungsstelle und nach 2 Stunden Wartezeit sagte man mir, der Versicherungsnachweis zähle nicht und im System ist auch nichts zu finden. Wenigstens konnte ich schon meinen neuen „Title“ beantragen und die Steuer bezahlen. Die Versicherung war der Meinung das alles stimmte und gab mir ein weiteres Schreiben. Am nächsten Tag versuchte ich es nochmal und tatsächlich klappte nun endlich alles – mein Kennzeichen wurde mir direkt mitgegeben und somit kann ich nun nach fast 2 Monaten hier mein eigenes Auto fahren. Juhuuu!

Die USA, insbesondere Georgia haben es mir echt nicht einfach gemacht, alles ist miteinander verkettet und ohne dieses geht jenes nicht. Aber sehen wir es mal positiv – mir wurde definitiv nicht langweilig!

#5 Meine Platzierung

#5 Meine Platzierung

Wie schon in einem anderen Beitrag beschrieben, bin ich Lawrenceville, Georgia platziert. Lawrenceville liegt im Gwinnett County und ist ein ca. 30 Meilen entfernter Vorort von Atlanta.

Ich wohne bei meinen Gasteltern Sara und Alan, die drei erwachsene Söhne haben. Nun ist im Haus mehr als genug Platz für die beiden, sodass sie sich entschieden haben zum ersten Mal einen PPPler aus Deutschland aufzunehmen.

Sara hat damals ein Semester in Kassel studiert und auch danach haben sie guten Kontakt nach Deutschland gehalten. Neben meinen beiden Hosts wohnt auch noch Pringles hier. Sie ist eine Katze, die der Familie vor ein paar Jahren zugelaufen ist. Meine Hosts sind erst vor vier Jahren nach Georgia gezogen, vorher haben sie in Knoxville, Tennessee gelebt. Sara hat die drei Söhne von zuhause unterrichtet, das ist gar nicht so unüblich in den USA.

Ich wohne in einer typischen Nachbarschaft mit dem Namen „Windsor Chase“. Die Häuser sind typisch amerikanisch und man kommt natürlich ohne Auto nirgendwo hin. Daher bin ich aktuell noch ziemlich auf meine Hosts angewiesen, sie fahren mich überall hin bzw. fahre ich mittlerweile mit den Autos der Familie.

Mein Hostcollege ist die Georgia State University – Perimeter College am Standort Clarkston. Der Ort ist je nach Verkehr 40-60 Minuten mit dem Auto entfernt, auch dorthin kommt man nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. In der ersten Woche hatte ich mir noch 2 andere Campus-Standorte der Uni angeschaut, die jedoch mindestens genauso weit entfernt sind. Die entscheiden Faktoren waren dann der Klavierkurs, die Schwimmhalle und die Nähe zu Atlanta. Ich belege die Fächer Business, Value and You; Media, Culture and Society; Piano; Introduction to Ethics und Human Communication. Ich bin immer Montag bis Donnerstag am Campus und habe nur Präsenzkurse gewählt. Es gibt weder in Supermärkten noch auf dem Campus eine Maskenpflicht, nur eine Empfehlung, die besonders für ungeimpfte gilt. Wegen der Delta Variante tragen an meinem Campus aber so gut wie alle den ganzen Tag eine Maske. Getestet wird hier allerdings so gut wie gar nicht.

#4 La Cucaracha, la cucaracha …

#4 La Cucaracha, la cucaracha …

Das Wetter ist heiß und schwül, hier fühlen sich einige Tiere besonders wohl. Gestern hatte ich mein erstes Erlebnis mit einer Kakerlake, sie saß in der Kloschüssel, wie ekelhaft! Zum Glück konnte ich sie nach ein paar Versuchen runterspülen. Ich dachte mir schon, dass ich nun etwas aufmerksamer sein sollte. Dass ich so schnell auf die nächste Kakerlake treffen würde, hätte ich allerdings nicht gedacht.

Nachdem mein Wecker am nächsten Morgen zum dritten Mal geklingelt hatte, entschied ich mich aufzustehen. Das erste was ich sah, war etwas dunkles, was sich schnell am Boden bewegte. Nachdem ich endlich meine Brille aufgesetzt hatte, war das „etwas“ auch schon unterm Stuhl verschwunden. Ich beobachte es für einen Moment und war mir sicher, dass es sich hierbei auch um eine Kakerlake handeln muss. Ich hatte noch ein Glas in meinem Zimmer zu stehen und versuchte sie einzufangen. Die Viecher sind schnell. So schnell, dass sie erst unter meinem Bett verschwand und sich dann Richtung Kleiderschrank bewegte. Kurze Zeit später fand ich sie unter meinem Koffer, sie floh wieder durchs Zimmer und versteckte sich. Ich entschied mich nach unten zu gehen und Sara Bescheid zu geben. Sie nahm einen Schuh mit und wir machten uns gemeinsam auf die Suche. Natürlich war sie dann nicht mehr zu finden.

Ich hoffe, dass wir sie heute noch finden können, sonst muss ich mir wohl einen neuen Schlafplatz suchen… 😉

#3 Frankfurt, der Flug und die erste Nacht

#3 Frankfurt, der Flug und die erste Nacht

Hier bin ich! Endlich angekommen in Lawrenceville, einer Vorstadt von Atlanta. Es sind schon einige Tage vergangen, seit ich in den USA gelandet bin – aber hier mal von Anfang an.

Die letzte Woche vor Abreise war echt busy, am Montag war ich im Bundestag eingeladen, um mich mit meiner Patenabgeordneten zu treffen (dazu in einem anderen Beitrag mehr) und an den restlichen Tagen musste ich ein 4. mal zum Zahnarzt, ein 3. mal zur Bank, mein Auto loswerden, schnell einen Untermietvertrag schreiben und einiges anderes erledigen. -> Zum Glück hatte ich dabei Unterstützung durch meine Familie – Danke an der Stelle ❤

Montag gegen 5:30 Uhr morgens ging es dann zum Bahnhof, von dort aus nach Berlin, von wo ich mit dem Flixtrain nach Frankfurt gefahren bin. Nachdem ich im Hotel in den Gateway Gardens eingecheckt habe, habe ich den Abend mit einigen anderen Teilnehmern des 38.PPPs verbracht. Einfach in ganz lockerer Atmosphäre bei einer Pizza und einem Kaltgetränk die Menschen aus den vielen Zoom Meetings kennenlernen. Dienstag früh mussten wir wieder ziemlich zeitig aufstehen, ein ordentliches Hotelfrühstück war aber trotzdem drin. Da wir schon ziemliche Almans sind, waren wir natürlich viiiel zu früh am Flughafen. Bis zum Treffen mit Cultural Vistas, welches auch viel zu früh angesetzt war, hatten wir also noch einige Stunden, um rumzusitzen und uns besser kennenzulernen.

Endlich im Flugzeug angekommen durfte ich zu meiner Freude feststellen, dass ich einen Platz mit extra Beinfreiheit zugewiesen bekommen habe. Die ca. 8 Stunden Flug von Frankfurt nach Washington D.C. waren ziemlich gut auszuhalten, da ich, wenn ich nicht gerade mit anderen Stipendiaten gequatscht habe, Filme und Serien geschaut und Musik gehört habe. Da ich zu meinem Anschlussflug nach Atlanta nur 3 Stunden Zeit hatte, beeilte ich mich, um schnell durch die Kontrollen zu kommen. Die Schlangen waren aber riesig – kein Wunder, die meisten Schalter waren ja auch geschlossen. Der Officer hat keine kritischen Fragen gestellt, außer dass er meine zukünftige Hausnummer genau wissen wollte. Die hatte ich natürlich nicht im Kopf, sodass ich gefühlt minutenlang durch meinen Mails wühlte. Irgendwann gelangten wir dann zu unseren Koffern, wir liefen Richtung Ausgang und dort stand auch schon Max, der Ansprechpartner von Cultural Vistas in den USA mit seinen Kollegen.

Zwei weitere Teilnehmer und ich waren die ersten, die unsere Dokumente und 20$ Welcome Money in die Hand gedrückt bekommen haben. Ich dachte ab jetzt wäre alles Entspannt, da unser Flug kaum Verspätung hatte und ich rechtzeitig aus der Passkontrolle gekommen war. Wir haben Max darauf aufmerksam gemacht, dass wir es ja etwas eilig hätten, da wir nochmal komplett neu einchecken und unsere Koffer wieder aufgeben mussten. Wir sollten jedoch noch auf die anderen Teilnehmer warten. Also warteten wir und warteten und warteten. Wir hatten schon ein Gefühl, dass es langsam eng werden könnte. Nur wollte uns niemand ein „go“ geben, um zum Schalter von Delta Airlines zu gehen. Als dann auch der letzte Teilnehmer ankam, machten wir noch schnell ein weiteres Gruppenfoto und dann liefen wir schnell zum Schalter. Dort funktionierte natürlich der Check in erst beim dritten mal und als ich mein Gepäck bezahlen wollte und dabei nach meinem Pin für die neue Kreditkarte im Handy suchte, fiel mir auf, dass mein Handy spinnt. Ich konnte nicht mal meinen Code eingeben, Face ID war mit Maske natürlich auch nicht möglich. Danach viel mir auf, dass ich garkeinen Pin eingeben musste, also der ganze Stress umsonst war. Dann wurde mir noch gesagt, dass mein Koffer zu schwer sei, man mich aber nicht draufzahlen lassen würde. Wir eilten durch den Security Check und nahmen eine U-Bahn Richtung Gate. Direkt erklang eine Ansage, dass das Boarding für den Flug nach Atlanta in 5 Minuten schließen würde. Wir hielten nur kurz für etwas Wasser an, da wir am verdursten waren und rannten zum Gate – nur um gesagt zu bekommen, dass das gar nicht unser Flug sei. Dieser war zwar am gleichen Gate, sollte aber schon viel früher starten und war nur auf Grund eines Unwetters noch am Boden. Die darauffolgenden 20 Minuten bis zum richtigen Boarding mussten wir uns erstmal erholen.

Nach deutscher Zeit war es mittlerweile 1 Uhr morgens, Ortszeit 19 Uhr. Vom 2. Flug hab ich ehrlicherweise nicht viel mitbekommen, außer das auch wir durch das Unwetter verspätet waren. Ich hatte versucht einer Serie zu folgen aber ich habe eigentlich die meiste Zeit geschlafen. Total übermüdet sind wir dann am Flughafen mit dem größten Passagieraufkommen der USA angekommen. Ich musste auch gar nicht lange suchen, bis ich ein CBYX-Schild sah, dass von meinen Hosts gehalten wurde. Der Empfang war wirklich nett, neben meinen Gasteltern war auch noch Paul dabei, der in den letzten Jahren Teilnehmer aufgenommen hat und ein Freund der Familie ist. Sara, meine Hostmom hatte extra Essen eingepackt und wir fuhren über den Interstate Richtung Norden. Auf dem Weg konnte ich schon den ersten Blick auf die Skyline Atlantas werfen, während die Klimaanlage mir ins Gesicht blies. Ca. eine dreiviertel Stunde später sind wir angekommen und ich bin ziemlich schnell danach schlafen gegangen. Fast 24 Stunden unterwegs zu sein und dabei die ganze Zeit noch eine Maske aufzuhaben, war doch ziemlich anstrengend. Aber ich will mich mal nicht beschweren, die meisten anderen Teilnehmer hatten noch eine viel weitere Reise vor sich und schliefen ein paar Stunden im Hotel, bis sie sich um 4 Uhr in der Früh schon wieder Treffen mussten. Es ist wirklich Schade, dass unser Orientierungsseminar in Washington durch Corona nicht stattfinden konnte.

In den nächsten Beiträgen erzähle ich euch mehr über meine Platzierung, meine Hosts und die erste Woche.

#2 Vor der Ausreise und Treffen in Berlin

#2 Vor der Ausreise und Treffen in Berlin

Ende April kam endlich die langersehnte Information: Die Programmträger des PPPs, der Deutsche Bundestag und das U.S. Department of State haben die Entscheidung getroffen, dass wir im August ausreisen dürfen! Ab jetzt wird es also ernst.

Wir hatten so einiges an Papierkram zu erledigen: Reisepass, internationaler Führerschein, Kreditkarte, Arztgutachten, Versicherungen usw. Doch vor einem Problem standen wir noch alle – die Covid-Impfung. CV teilte uns mit, dass eine Platzierung nur mit einer Impfung vergeben werden kann. Die Impftermine wurden immer noch priorisiert verteilt. Zudem wurde selten ausreichend Impfstoff von den Herstellern geliefert. Für uns junge Leute also ein großes Problem. Ich habe mich also auf verschiedene Wartelisten tragen lassen. Irgendwann habe ich dann doch noch durch meine Familie einen Termin ergattern können.

So langsam sanken die Inzidenzwerte und die Maßnahmen der Regierung wurden gelockert. Es wurde endlich warm draußen, sodass ich nun anfangen konnte den Sommer zu genießen. Wir, die PPPler aus Berlin/Brandenburg, haben uns also das erste Mal verabredet, um uns auch offline kennenzulernen. Wir verweilten an an der Museumsinsel und genossen die endlich eröffnete Außengastronomie beim Mexikaner.

Im Juli hatten wir dann unseren Termin bei der U.S. Embassy in Berlin. Es wurden extra für uns Sondertermine organisiert und so verabredeten wir uns alle vor Ort. Da man nur die benötigten Unterlagen mit hinein nehmen durften und die Rucksäcke und Handys im Auto blieben, verweilten wir einige Zeit bei schwül-warmem Wetter, zwischen jeder Menge Schüler PPPlern, und warteten auf die anderen. Währenddessen wurden unsere PPP-Pullis verteilt. Da wir ziemlich viele Leute waren, haben wir uns aufgeteilt. Wir waren alle schon sehr hungrig und so fuhr meine Gruppe zu einem American Diner in der Nähe vom Hackeschen Markt. Natürlich gab es Burger, Pommes und Cola. 😉 Den restlichen Tag haben wir auch noch gemeinsam in Berlin verbracht.

Da wir nun alle endlich mal Zeit hatten uns persönlich kennenzulernen, verabredeten wir uns die folgenden Tage wieder in Berlin. Die meisten hatten sich das ganze Wochenende freigenommen, so dass wir gemeinsam noch einiges in Restaurants, Bars und an der Spree erlebt haben.

Die letzten Arbeitstage sind nun gezählt. Vor der Ausreise habe ich noch eine Woche Urlaub, um die letzten Vorbereitungen zu treffen. Mittlerweile habe ich endlich meine Platzierung bekommen… aber dazu später mehr!

Ein Teil der Stipendiaten vor der U.S. Embassy
Mittagessen im Sixties Diner Berlin
Abends an der Spree
Kurzfilm  „Dem deutschen Volke — Eine parlamentarische Spurensuche. Vom Reichstag zum Bundestag“ im Regierungsviertel
#1 Der Weg zur Zusage

#1 Der Weg zur Zusage

Dieses Jahr ist alles anders! Diejenigen, die das PPP verfolgen wissen, dass das 36. PPP vorzeitig abgebrochen wurde und die 37. PPPler gar nicht erst ausreisen durften – Und das alles wegen Corona. Wer hätte zu Beginn der Pandemie gedacht, dass es auch unseren Jahrgang noch so beeinflussen wird. Mein Auswahlgespräch in Berlin wurde aufgrund steigender Infektionszahlen ziemlich spontan  abgesagt und erstmals digital via Zoom durchgeführt. Seitens Cultural Vistas lief alles technisch einwandfrei.. naja das kann ich bei mir nicht behaupten. Der Link führe mich nicht zum Meeting, Zoom lies sich nicht installieren, der Laptop war langsam und als sich die anfänglichen Probleme dann lösten, kam der Supergau – Mitten im Gruppengespräch viel die Internetverbindung aus und ich flog aus dem Meeting. Bis die Verbindung wieder stabil war, sind bestimmt 10 Minuten vergangen – 10 Minuten voller Stress und Aufregung!

Aber es kann wohl alles nicht so schlimm gewesen sein, denn das Stipendium habe ich ja doch noch bekommen. 😉

Darauf folgte dann ein Einzelgespräch. (nur nicht mehr mit dem Laptop – das Handy musste herhalten) „Was würdest du tun, wenn…“ „Wie gehst du mit … um“ „Can we speak english now?“ „Tell me about…“  Alles halb so wild. Nichts von dem, auf was ich mich stundenlang mit Podcasts und Co. vorbereitet hatte wurde abgefragt.

Die Zeit bis endlich weitere Infos von CV kamen, verging viel zu langsam. 2020 war ja eh schon… naja … nicht das beste Jahr. Nun drohte erneut der Lockdown (Lockdown light… haha) In der Zwischenzeit ist nicht viel neues passiert. (Bis auf die US-Wahl und dass die Welt gefühlt gerade untergeht?) Arbeit und zuhause „chillen“ war angesagt – verordnet vom Staat fühlt sich das dann doch nicht mehr so cool an. Endlich kam irgendwann die erlösende Nachricht, dass meine Unterlagen an den oder die Abgeordnete/n weitergeleitet werden. Aber an wen? In meinem Wahlkreis gibt es gleich 5 MdB, die in Frage kommen könnten. Also hieß es weiter abwarten. Irgendwann kam dann dann ein Brief aus dem Abgeordnetenbüro von Dr. Saskia Ludwig. Darauf folgte ein Video-Call mit ihr und einem Mitarbeiter. Das war sie also, die lang ersehnte Zusage! Der ganze Bewerbungs- und Entscheidungsprozess zog sich also von Mai 2020 bis März 2021! Die Vorfreude hielt allerdings nicht sehr lange an. Uns wurde durch den Bundestag mitgeteilt, dass wir möglicherweise nicht wie geplant im August ausreisen können. Alles hängt von diesem blöden Virus ab. Wir sollen einen Plan B haben. Die Teilnehmer, die schon im letzten Jahr nominiert wurden, hatten nicht mehr so viel Hoffnung, da die Ausreise erst verschoben und letztendlich doch komplett Abgesagt wurde.

In der Zwischenzeit starteten schon die (natürlich virtuellen) Vorbereitungsseminare. Cultural Vistas hat sich echt ins Zeug gelegt und Gäste wie z. B. Tagesthemenmoderator Ingo Zamperoni eingeladen. Es folgten Seminare zu deutscher und amerikanischer Geschichte, Politik und kulturelle Trainings. Zudem mussten wir den TOEFL-Test ablegen, die ersten Unterlagen zusammensuchen und Dokumente beantragen. Danach folgte ein Planspiel in Zusammenarbeit mit Polyspektiv, bei dem wir die Grundlinien der künftigen Politik zwischen den USA und Europa skizzieren sollten. Jeder vertrat einen Bundesstaat und wir entwickelten über mehrere Wochen Entwürfe zu den Themen Klima, Sicherheit und Handel. 

Vorbereitungsseminare über Zoom