Weihnachten verbinde ich persönlich immer mit Familie, gemütlichem Zusammensein, Schnee, Plätzchen von Oma (Spitzbuben mit Mandeln!) und ganz viel Weihnachtsmusik. Man stimmt sich ab Mitte November so langsam auf eines der schönsten Feste im Jahr ein und die ganze Welt wird ein bisschen friedlicher. Klar, nicht jedes Jahr hat man Schnee an Weihnachten, trotzdem gehört das für mich ebenfalls dazu. In Amerika wird Weihnachten im Normalfall recht groß aufgezogen, man hat seine Stockings (Socken) am Kamin hängen, schmückt seinen Baum schrecklich zusammengewürfelt mit allem möglichen und es wird gegessen, fast so schlimm wie an Thanksgiving. Das Weihnachten dieses Jahr für mich somit ganz anders ablaufen wird, war von vornherein klar. Aber so wie es tatsächlich war, hätte ich es mir nicht vorgestellt und auch auch nicht gewünscht.

Weihnachten

Die Vorweihnachtszeit habe ich ja überwiegend in New York verbracht. Und um ehrlich zu sein – so wie es in den Filmen immer dargestellt wird, das Weihnachten in New York ganz toll und speziell ist – so toll war das echt nicht. Ich würde es eher als stressig bezeichnen, jeder jagt Weihnachtsangeboten bei Macys hinterher und gefühlt jeder will diesen einen Weihnachtsbaum anschauen. Dafür, dass um diesen Baum eigentlich nur eine Lichterkette gewickelt wird und der Spitze ein hässlicher Stern oben aufgesetzt wird, versteh ich nicht so ganz, warum dieser Baum vor dem Rockefeller Centre so gehypt wird.

Aber egal, ich werde jetzt nicht wieder mit New York Geschichten anfangen. Mein letzter Blog hat damit aufgehört, das ich am JFK Flughafen gesessen bin. Das ich danach in Washington noch fast 4h gestrandet war ohne mein Handgepäck (ich Dussel hab es aufgegeben weil es als gratis angeboten wurde) und somit auch ohne Handyladekabel, ohne Geld und mit einem riesen Hunger, habe ich dann am nächsten Morgen nach meiner abenteuerlichen Heimfahrt von Charleston nach Princeton schon meiner Familie und ein paar Freunden erzählt. Es hat sich dann noch am Tag meines Fluges herausgestellt, das ein paar von unserer Gruppe mit Corona infiziert wurden. Ich hatte keine Symptome, habe in New York leider auch keinen Schnelltest am letzten Tag mehr auftreiben können und habe deshalb dann in Princeton am nächsten Morgen gleich zwei Schnelltest aus der Apotheke geholt.

Weihnachten 2021Geplant war mit Angie, meiner Gastmutter, das ich Weihnachten bei ihrer Mutter mit ihr und den Tieren verbringe, wo auch noch weitere Familienmitglieder anwesend sein werden. Ich habe dann innerhalb von 2 Stunden die beiden Schnelltests gemacht, beide waren negativ. Als ich das dann Angie geschrieben habe (sie war bereits vorgefahren), meinte sie ihr reicht das nicht und ich solle einen PCR-Test machen, weil ihre Mutter ja Risikopatientin sei. Tag meiner Schnelltest war der 23.12.2021. Als ich dann zwecks einem Termin zum Testen recherchierte, waren die ersten verfügbaren Termine erst nach Weihnachten. Somit war ich über Weihnachten verurteilt, alleine in einem mehr oder weniger fremden Haus in West Virginia zu sitzen. Keine große Amerika-Weihnachtsparty, wie man es sich vorstellt. Ich habe dann mit der Familie und mit dem Freund gevideochattet, aber mehr Gesellschaft hatte ich dann nicht. Als ich mich dann zwischen Weihnachten und Neujahr mit Emma (aus dem Stall) getroffen habe, meinte sie dann das typische „ja hätten wir gewusst dass … dann hättest du zu uns kommen können“ ausgepackt, aber ich wusste, das sie die Familie von ihrem Freund über Weihnachten bei sich hatte, weswegen ich mich dann nicht auch noch aufdrängen wollte.

Neujahr

Während meiner Quarantänezeit habe ich mich dann viel mit Kochen beschäftigt. Mir fehlt das Essen von daheim einfach, weshalb ich mal ganz typisch deutsch Glühwein gemacht habe. Angie hat einen Nachbarn namens Bob, der ziemlich begeistert ist von Deutschland. Ich habe ihn dann auf eine Tasse eingeladen und erklärt, dass man das bei eisiger kälte gemütlich auf dem Weihnachtsmarkt schlürft um sich von innen aufzuwärmen. Er fand das so toll, das er mir als Dankeschön zweimal Essen vorbeigebracht hat während ich alleine war. einmal selbst gemachtes Chilli und einmal Street Tacos, beides war sehr sehr gut.

Nach Weihnachten kommt dann ja ziemlich bald Silvester.  Und wie es der Zufall so will, war ich auch über Silvester alleine, zwar hatte ich die Hunde, auf die ich aufpassen sollte, aber so wirklich toll war das auch nicht. Ich hab dann eine Flasche Asti getrunken und die Miley Cyrus Neujahrsparty im Fernsehen angeschaut. Also ja, es war schon ein echt trauriges Bild, wie ich ins neue Jahr gefeiert habe. Draußen haben ein paar Leute Feuerwerk geschossen, aber das meiste was ich gehört habe waren Gewehrschüsse.
Nach Neujahr gab es dann zwischen mir und meiner Gastmutter ein Missverständnis, das ich hier öffentlich nicht genauer beschreiben werde. Aber dieses Missverständnis hat sehr an unserer Beziehung genagt und seit dem herrscht auch (trotz Gespräch) eine schräge Stimmung zwischen uns.

Auf Jobsuche

Während meines Besuchs bei Madame Tussauds in New York hatte ich einen Anruf bekommen, das man mich gerne zu einem Bewerbungsgespräch einladen würde. Insgesamt habe ich mich auf ca. 20 Jobs beworben (eine Bewerbung ging aus Versehen an einen Stripclub). Kurz nach Neujahr hatte ich dann auch ein Vorstellungsgespräch bei Lawrence Brothers Inc., einer familiengeführten Firma in Bluefield, Virginia die Batteriekisten aus Stahl herstellen für die Autoindustrie und für Elektrobatteriehersteller. Sie bieten aber auch an, diese sogenannten „Trays“ für die Mienenarbeiten herzustellen. Ich hab mich bei Lawrence Brothers Inc. nach dem ersten Schritt durch die Tür direkt wohl gefühlt. Der CEO und der COO haben mich interviewt und mich nach 20 Minuten zum Probearbeiten am kommenden Mittwoch eingeladen. Auf das Jobinterview hatte ich mich garnicht explizit vorbereitet, ich hab mich nur schick angezogen und dann einfach frei heraus auf alle Fragen geantwortet. Das hat dem CEO sehr gefallen, wir haben auch schnell viele Gemeinsamkeiten gefunden. Allgemein war mir das Umfeld sehr sympatisch, sodass ich wirklich gehofft hatte, sie stellen mich ein.

Und was soll ich sagen, ich habe nicht mal 2 Stunden gearbeitet und mir wurde der Job als „Administrative Assistant – Shipment“ angeboten. Am Montag darauf habe ich auch direkt angefangen. Während dem Probearbeiten abe ich auch meine Kollegen gefragt, was sie über die Firma sagen, und ich habe ausnahmslos fast durchgehend die gleiche Antwort erhalten: Sie würden nicht woanders arbeiten wollen. Nachdem ich jetzt ca. einen Monat mit an Board bin, kann ich diese Aussage auch nur bestätigen. Ich darf Verantwortung übernehmen und werde Ernst genommen. So habe ich seit Woche 2 das Projekt „finde ein neues ERP System für uns“ bekommen, sowie „Bau aus dem TV in der Lobby einen Infoscreen mit einer durchlaufenden Slideshow“. Beide Projekte laufen, bzw. sind mitlerweile abgeschlossen mit einem mehr als zufriedenstelenden Ergebnis auf das ich sehr stolz bin.Warum ich diese Projekte in Angriff genommen habe? Naja, nachdem ich mit LEAN einige Abläufe optimiert habe (und das, ohne jemals eine Shculung bekommen zu haben!), hatte ich Zeit zu Meckern. 🙂
Auf dem Foto hier kann man meinen Schreibtisch sehen, der direkt in der Lobby steht. Dort sitze ich Montags bis Freitags, 8:00 – 16:30 Uhr, nehme das Haupttelefon, bearbeite alle ausgehenden Lieferungen von uns, erstelle die Papiere, gebe neue Bestellungen ins Programm ein und erstelle die Arbeitsanweisungen für die einelnen Produkte. Was mir besonders gefällt, ist die Offenheit von der Geschäftsführung für meine Ideen. Der CEO und die Präsidentin nehmen auch jeden Tag die Hunde mit ins Büro, was meine Laune immer gleich ein bisschen steigert sobald einer der kleinen Welpen auf mich zurennt. Die Geschäftsführung übernimmt auch die Mitgliedschaft bei Anytime Fitness (in Bluefield und Princeton), weshalb ich jetzt mit Personal Tainer solange ich hier arbeite auch kostenlos trainieren gehen kann. Übrigens gibt es Wasser und Kaffee for free im Büro.

Wie man vielleicht etwas rauslesen kann, bin ich mit meinem neuen Job sehr zufrieden. Ich finde es schade, dass ich nur ein halbes Jahr dort arbeiten kann. Aber ich werde das Beste daraus machen. Ich habe mir auch vorgenommen, nun mindestens jedes zweite Wochenende etwas zu unternehmen. Und diese Erlebnisse kommen nach und nach in den nächsten Blogeinträgen. Bis dahin! 🙂

2 Responses

  1. Nächstes Jahr bist du dann wieder an Weihnachten da.🥰
    Hoffentlich findest du in Deutschland auch einen Job der dir so Spaß macht und dich so erfüllt wie dort!❤

    • Dieses Jahr feiern wir wieder alle zusammen Weihnachten. 😘Hafen darf natürlich nicht fehlen. 😂. Jetzt genießt du noch die restliche Zeit und deine tolle Arbeit.

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