Bluefield

So sehr ich es mir auch gewünscht habe, dass das Jahr in West Virginia total toll wird, so hat sich ca. ab dem Jahreswechsel die Stimmung bei meiner Gastfamilie um 180° geändert.

Wenn es einmal Krach in der Gastfamilie gibt, sollte man sich aussprechen und danach sollte alles wieder gut sein. Leider war das bei mir nicht der Fall. Trotz aller Bemühungen eine diplomatische Lösung zu finden, habe ich ca. 3 Monate vor Programmende noch die Gastfamilie gewechselt. Auslöser dafür waren z.B., dass ich nur noch als Hausmädchen gesehen wurde und regelmäßig Tierfäkalien vom Parkettboden geschrubbt habe (reinsteigen hätte ich auch nicht wollen). Meine Gastmutter war dann auch nie über das Wochenende da, meist auch unter der Woche nicht. Ich war dann überwiegend der Tiersitter mit ohne Essen im Kühlschrank. Das war aber noch nicht alles.

Gasteltern sind ja soweit ich das gelernt habe während des Programms verpflichtet, zwei Mahlzeiten am Tag bereit zu stellen. Ich hatte vielleicht die ersten zwei Monate essen bekommen, ab dann hat meine Gastmutter nicht mehr gekocht und war ständig weg. Ich habe mich somit selbst um mein Essen gekümmert, immer wieder gekocht und dann von ihr nur einen naserümpfenden Blick kassiert, wenn sie dann mal daheim war. Sie war ja auch urplötzlich auf Diät.

An einem Nachmittag unter der Woche habe ich dann mal die Nacht auswärts verbracht und nur eine SMS bekommen von ihr, dass ich versagt hätte ihr mitzuteilen, dass ich nicht da sein würde über Nacht und dass ich meinen Teller in der Spüle hab stehen lassen. Mich hat das dann so empört, dass ich am nächsten Abend nach der Arbeit zurück bin, meine Sachen gepackt habe und auf der Stelle ausgezogen bin. Über Monate hatte ich ihren Dreck weggeräumt, nie gewusst ob sie denn jetzt eigentlich wieder zurück kommt am nächsten Tag oder nicht, tote Käfer aus dem Kühlschrank gewischt, schimmeliges Essen entsorgt und mich um das Haus gekümmert. Das hat mir dann gereicht. Im Nachhinein hätte ich nicht so überstürzt handeln sollen, denn von jetzt auf gleich war ich so gesehen Obdachlos. Ich hätte Cultural Vistas früher über die Missstände informieren sollen und nicht gleich schwuppdiwupp rausbrausen sollen.

Die eine Woche bin ich bei Andy in North Carolina untergekommen. Das hieß für mich, jeden Tag 109 Meilen zur Arbeit hin und wieder 109 Meilen zurück. Jeden Tag vier Stunden Landstraße und Interstate. Ich möchte an dieser Stelle ehrlich sein, es war zum kotzen. Vor allem das frühe Aufstehen war anstrengend. Während der Woche hatte ich wirklich viele Leute gefragt, ob sie denn jemanden wüssten, bei dem ich unterkommen könnte. Leider hat sich darüber nichts ergeben. Max hat jedoch auf den College Coordinator des Bluefield State College zurückgegriffen, der innerhalb von drei Stunden eine neue Gastfamilie bzw. Gastmutter aus dem Hut gezaubert hat. Meine erste Begegnung mit ihr war lustig. Ich bin zum College hingefahren um mich mit dem Koordinator zu treffen und als ich nach dem Weg zu seinem Büro gefragt habe, hat sich herausgestellt, die Dame hinter dem Schreibtisch sollte meine neue Gastmutter sein. Im ersten Moment dachte ich mir nur „Ach du scheiße“. Eine alte Dame, die etwas steif wirkt und auch etwas unfreundlich. Das kann ja heiter werden…. Aber alles besser als Hundekacke im Flur, dachte ich mir.

Als ich dann jedoch nach dem Wochenende montags nach der Arbeit vor ihrem Haus vorgefahren bin, wurde ich von ihr und ihrer Mitbewohnerin, die ebenfalls am College arbeitet, herzlich empfangen. Sie stellte mir ihren kleinen Chihuahua Jayla vor und zeigte mir gleich, wo im Kühlschrank was bereitsteht. Sie erzählte dann etwas von sich und was sie gerne in ihrer Freizeit macht (Bingo spielen und die Enkel bekochen). Wir klärten, wer wann von der Arbeit zurückkommt, wie der Plan mit dem Essen aussieht, usw. Ein erster Eindruck kann also auch täuschen!

Seitdem wohne ich jetzt in Bluefield auf der Virginia-Seite und habe nur noch einen Arbeitsweg von zehn Minuten mit dem Auto. Ich kann also bis um 7 in der Früh im Bett bleiben. 😊

Warum sich die Situation mit Angie so drastisch geändert hat? Ich vermute, es ist etwas in ihrem persönlichen Leben vorgefallen und sie hat es an mir ausgelassen. Ich bin auf jeden Fall mit meiner neuen Gastmutter und ihrer Mitbewohnerin sehr zufrieden und finde es schade, dass ich dann nächste Woche schon wieder ausziehen muss. Denn das Programm geht nächste Woche, nach dem Abschlussseminar in Washington D.C. offiziell zu Ende! Ich kann es noch gar nicht glauben, dass das Jahr so schnell vergangen ist. Dann stehen noch drei Wochen reisen an, bevor es dann wieder nach Washington D.C. geht und dann endgültig nach Hause. Es wird also bald keine neuen Blogeinträge mehr geben, mal sehen wie ich Zeit habe, meine Erlebnisse während den drei Wochen on the Road aufzuschreiben. Bis dahin! 😊

2 Responses

  1. Hi meine süsse! Mit deiner ersten gastmutter war ja wirklich nicht so toll, wir hatten uns ja kurz darüber ausgetauscht. Umso mehr freut es mich, dass du mit deiner jetzigen gastfamilie Glück hast!
    Für deine bevorstehende teile wünsch ich dir viel Spaß! Und pass auf dich auf!
    Freu mich schon wenn du wieder zurück bist!
    Hab dich lieb! Dicker 💋

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