Als Brauer mit dem Parlamentarischen Patenschafts-Programm ein Jahr in den USA

College, Barbesuche und endlich wieder Feuer unterm Kessel

Vor rund 3 Wochen bin ich ins Studentenleben am Flathead Valley Community College (FVCC) gestartet. Davor musste ich natürlich erst einmal meine Kurse wählen, was ich allerdings schon im Juli in Zoom-Calls mit meiner College-Koordinatorin Gerda erledigt habe.

Tatsächlich gibt es hier ein Brauprogramm mit dem man einen Associate’s Degree in Brewing Science erwerben kann (wahrscheinlich der Hauptgrund, warum ich gerade hier platziert worden bin, das gibt’s ja jetzt nicht überall), allerdings haben wir nach Rücksprache mit Joe, dem Braumeister und Lehrer hier, beschlossen, dass das doch ein bisschen zu einfach wäre mit meiner Ausbildung und Erfahrung.

Also habe ich nun einfach ein paar bunt gemischte Kurse, die mich interessieren, gewählt:

  • Principles of Living Systems (Bio)
  • Basic Electricity
  • Programmable Logic Controllers (SPS)
  • Internship Professional Brewing (das ist jetzt der einzige Brau-„Kurs“, den ich belegt habe, aber dazu später mehr)

Bis jetzt bin sehr zufrieden mit dieser Wahl. Und auch ganz allgemein fühle ich mich am College ziemlich wohl und man lernt natürlich gerade jetzt am Anfang andauernd neue Leute kennen.

Zum Beispiel bin ich nämlich nicht der einzige internationale Student hier, sondern es sind auch noch 4 Russinnen, 2 Japanerinnen, 1 Chinese und 1 Chilene am FVCC. Wir haben regelmäßig ein gemeinsames Treffen mit Gerda, die für uns alle zuständig ist, aber weil wir eine lustige Truppe sind, haben wir uns nun schon zwei mal so zu Schwimmausflügen an zwei verschiedene Seen getroffen. Naja, Wayne aus China muss erstmal schwimmen lernen und ich bin jetzt irgendwie sein Lehrer. Noch klappt’s nicht wirklich, aber des wird scho!


05./06.09.21

Das lange Wochenende (Feiertag am Montag) habe ich für einen kleinen Roadtrip genutzt. Der bestand zuerst aus einer Wanderung im Glacier National Park, aber anstatt danach wieder zurück ins Flathead Valley zu fahren, bin ich auf der Ostseite der Rockies runter und hab einfach ein bisschen die Landschaft erkundet.

Leider immer noch recht rauchig im Glacier

Am Ende des Tages bin ich in Great Falls, einer nicht besonders schönen Stadt inmitten von Farmland, gelandet, „geduscht“ wurde im Missouri (unterdurchschnittlicher Reinigungseffekt) und dann ging’s ab in eine deutsche Bar auf ein paar Halbe Ayinger Weißbier.

Wer mich kennt, weiß ja, dass ich ein großer Fan von langen und ausgiebigen Wirtshausbesuchen bin. Die heimische Stammtischkultur fehlt mir natürlich schon, dafür konnte ich aber einen großen Vorteil von amerikanischen Pubs/Restaurants ausmachen: der Bartresen!

Klingt banal, aber einfach hinsetzen und man kommt zu 100% mit dem völlig unbekannten Sitznachbarn ins Gespräch und bisher waren das echt immer hochspannende Konversationen. Die Offenheit und Gesprächigkeit der Amerikaner gegenüber Fremden macht das erst möglich und garantiert tolle Erlebnisse. So auch an diesem Abend in Great Falls.

Geschlafen habe ich anschließend im Auto (eher solala…) und am nächsten Tag ging’s dann zurück nach Somers.

Westlich von Great Falls erlebt man bizarre Landschaften. Kaum besiedelt, vereinzelt grasende Kuhherden.

Zurück zum „Internship Professional Brewing“. Im Prinzip mache ich hier über das College ein 45-stündiges Praktikum in einer Brauerei und werde für meine Analysen/Reflektionen benotet. Joe hat hierfür Backslope Brewing in Columbia Falls (www.backslopebrewing.com) empfohlen, eine der vielleicht interessantesten Brauereien im Valley, die sich vor allem auf verschiedenste belgische Bierstile spezialisiert hat. Nach vorherigem Schnabulieren konnte ich mich guten Gewissens bewerben und im Anschluss an ein kurzes Interview war das Ganze auch recht schnell gebongt.

Nun hatte ich auch schon meinen ersten Arbeitstag, bei dem ein Crossover zwischen einem belgischen Tripel und einem Stout eingebraut wurde. Mit Darin (ehemaliger Hobbybrauer, Gründer und Besitzer) und seinem Brauer C.J. habe ich mich sehr gut verstanden und so wie es aussieht können wir viel voneinander lernen. Eventuell wird aus diesem Praktikum sogar eine Vollzeitbeschäftigung ab Januar.

Das Sudhaus ist vom Equipment her eine sehr wilde Angelegenheit, aber mit viel Leidenschaft und einer ordentlichen Portion Scheiß-da-nix-dann-feid-da-nix-Mentalität kommen da trotzdem hervorragende Biere heraus. Ich war auf jeden Fall sehr überrascht, als ich die Anlage zum ersten Mal gesehen habe.

In ein paar Wochen werde ich zu dem Praktikum noch einmal gesondert einen detaillierten Beitrag verfassen.


12.09.21

Bei Karen und Mike im Garten wächst eine Hopfenstaude. Sie wissen zwar nicht welche Sorte, weil die noch von den Vorbesitzern des Hauses stammt, aber ich konnte einfach nicht widerstehen. Also habe ich alles notwendige besorgt und wir haben das allererste Pikes Peak Ale eingebraut.

Karen beim Maischen

Ich bin sehr gespannt, ob da was Vernünftiges rauskommt, aber eine Gaudi war’s so und so.


Ein paar schlechte Nachrichten gibt’s leider auch. So hatte ich letzte Woche die erste Probe mit der Flathead Valley Community Band, die ist so etwas wie die örtliche Musikkapelle. Allerdings hat die Vorstandschaft ein paar Tage später beschlossen bis Januar die Proben aufgrund steigender Corona-Fallzahlen auszusetzen. Sehr schade.

Und das Oktoberfest in Whitefish, das nächste Woche losgegangen wäre, wurde auch aus selbigem Grund abgesagt. Auch sehr schade.


Umso schöner werden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die nächsten fünf Tage. Morgen starten wir zu einem Roadtrip über Eastern Oregon und Portland nach Seattle, wo die Besuche eines College Football und eines NFL-Spiels anstehen.

Mike beim Monday Night Ironing, endlich wieder mit Monday Night Football. Premium-Bügel-Entertainment. Darauf hat er sich schon gefreut, in der Vorwoche musste er noch mit einem alten Highschool Baseball-Game vorliebnehmen.