Wie für viele andere auch begann die Reise beim PPP mit der Anmeldung (die damals noch in Papierform mit der Post geschickt werden musste). Allerdings nicht für das 38. PPP, sondern bereits für das 37. ein Jahr vorher.

In einer Zeit vor Corona (ja die gab es und ja ich kann mich da auch nur noch wage dran erinnern) habe ich mich direkt am 2. Mai 2019 für das damalige PPP beworben, ohne wirklich daran zu glauben, eine Chance zu haben. Nach unzähligen Stunden, in denen ich an meiner Bewerbung gefeilt hatte, habe ich dann einen Tag vor Bewerbungsschluss die Unterlagen ausgedruckt und an die damalige Organisation (GiZ) mit Einschreiben geschickt.

Als dann einige Wochen später die Einladung zur Auswahltagung nach Berlin ins Haus geflattert kam, konnte ich es kaum glauben. Gesagt, getan – also machte ich mich an Halloween 2019, anstatt zuhause zu spuken, auf in die Hauptstadt.

Vor lauter Nervosität wäre ich fast am Gebäude vorbeigelaufen, in dem der Tag stattfinden sollte, allerdings verrieten mir eine Gruppe mindestens genauso nervös aussehender junger Menschen, dass ich hier (direkt am Brandenburger Tor) wohl doch richtig sein muss.

Das anfängliche eher schüchterne „Hallo“ verwandelte sich schnell in Aufregung und auch Vorfreude, was uns den Tag über wohl erwarten würde.

Letztendlich gab es mehrere Gruppentasks sowie einen Englisch- und Allgemeinwissens-Test; viel Freizeit zwischen den Terminen, die wir hauptsächlich nutzten, um die ehemaligen PPP über ihr Jahr in den USA auszufragen; und in meinem Fall das letzte Einzelgespräch um 17.45 Uhr. Der Tag startete um 9 Uhr und meine Nerven lagen nach der ganzen Warterei blank. So blank, dass mir, trotz Branderburger Tor wortwörtlich vor dem Fenster und sämtlichen Bannern überall in Berlin, auf die Frage „Was feiern wir denn nächstes Jahr (aka 2020)?“ nichts Besseres einfiel als „äähm… Fußball-EM?“ Von Corona war da wie gesagt noch nicht die Rede und nein, das wäre auch nicht die Antwort gewesen.

Es war die 30-jährige WIEDERVEREINIGUNG. Mit einigen Tipps bin ich dann doch noch drauf gekommen. 😀

Anscheinend konnte ich dennoch überzeugen, denn einige Zeit später bekam ich die Nachricht, dass meine Unterlagen weitergegeben wurden an den zuständigen Patenabgeordneten. Ende Januar war dann auch ein Treffen angesetzt, augenscheinlich nur zum jeweiligen Kennenlernen.

Nun ja, ihr könnt euch vorstellen wie ich geschaut habe, als mich die Sekretärin nach meinem, meiner Meinung nach „Bewerbungsgespräch“ im Nebenzimmer gefragt, ob ich denn damit einverstanden sei, dass mein Bild auch in die Zeitung dürfe. Nach etwas Gestammel („Naja, wenn ich auserwählt werde, dann hätte ich damit bestimmt kein Problem“) und ganz großen Augen muss ihr wohl aufgefallen sein, dass ich davon bisher noch gar nichts wusste. Wie mir im Nachhinein erzählt wurde, war der Termin tatsächlich nur angesetzt gewesen, um uns (der Schülerstipendiatin und mir) die frohe Botschaft persönlich überbringen zu können. Vollkommen perplex saßen sie und ich nämlich 10 Minuten später da, mit der bereits einlaminierten Nominierung in den Händen.

Und so begann das Abenteuer PPP für mich nun richtig. Hätte ich doch nur zu dem Zeitpunkt schon gewusst, was da noch alles kommen würde….

Erstmal hieß es erneut warten, bis auch die offizielle Bestätigung zur Nominierung von der Organisation in der Post war mit weiteren Infos zum kommenden Ablauf. Die Vorbereitungsseminare waren für Ende März (sogar über meinen Geburtstag hin) angesetzt. Dort würden wir auch zum ersten Mal auf andere nominierte Berufstätige treffen sowie verschiedene Punkte zu Themen vor und nach der Ausreise besprechen.

Soweit der Plan.

Wäre da nicht ein kleines unsichtbares aber dennoch nicht übersehbares Unwesen, welches sich genau zu diesem Zeitpunkt einmal über die Welt ausbreitete. Als klar war, dass die geltenden Maßnahmen keine größeren Gruppen erlaubte, wurden die Seminare kurzerhand abgesagt und auf später und online verschoben. Die kürzlich gegründete WhatsApp Gruppe lief heiß mit Spekulationen, Aufregung aber (most importantly) memes.

Und dann kam sie, die E-Mail, die alle gefürchtet hatten. Es gab neue Informationen vom Bundestag zum weiteren Programmablauf – so die Überschrift. Was das hieß? Das Programm wurde auf ein halbes Jahr verkürzt und sollte erst zum Januar 2021 starten. Die verschiedensten Gefühle und Emotionen durchströmten mich in diesem Moment – Enttäuschung, Traurigkeit, Wut, Angst aber auch ein bisschen Verständnis, dass das Ganze nicht in seiner Form stattfinden kann, angesichts der steigenden Fallzahlen in beiden Ländern.

Dementsprechend hieß es erneut: warten, warten und nochmals warten bis die Vorbereitungsseminare dann im Juli/August auf der Plattform Microsoft Teams angesetzt waren. Mit einer anfänglichen Challenge unter den Stipendiaten sollte die Stimmung etwas aufgelockert werden, aber ganz ehrlich, die Luft war zu diesem Zeitpunkt schon etwas raus bei allen.

Nichtsdestotrotz schlugen wir uns durch die allabendlichen Teams-Meetings mit Verbindungsproblemen und dem altbekannten „Du bist stumm geschaltet“ bis Anfang September nur noch ein einziges Meeting, nämlich das Ganze drumherum NACH der Ausreise, auf dem Plan stand. Aber wer aufgepasst hat, der weiß, was jetzt kommt.

Am Morgen des 4. September (ca 1/3 des 37. PPPs (einschließlich meinerselbst) war gerade dabei, sich aus gutem Anlass auf den Weg in den hohen Norden zu machen) als eine weitere E-Mail der GiZ ins Postfach geflattert kam. Nicht etwa mit einem Link fürs nächste Seminar, nein, sondern mit der Absage des gesamten Programms.

Puff, einfach abgeblasen. Das war natürlich nochmal eine ganz andere Nummer, als das Ganze „nur“ zu verschieben. Ich kann zwar nur für mich persönlich sprechen, aber der Schlag war schon heftig, vor allem in Anbetracht der bisher geopferten Zeit und Mühe. Im Nachhinein war es wahrscheinlich der „beste“ Zeitpunkt, das Programm abzusagen, da wir so zusammen das Ende verarbeiten konnten, mit dem ein oder anderen alkoholischen Kaltgetränk on top. Dennoch stand für mich fest, dass das PPP jetzt noch nicht so einfach Geschichte sein konnte, also nahm ich die Bewerbung fürs neue Jahr in Angriff (Bewerbungsfrist war dann der 11. September – merkt ihr selbst, wie wenig Zeit da noch war, ne?).

Die Frage war nun – was jetzt?

Hier eine Mini-Zusammenfassung, was bei mir im Hintergrund noch abgegangen ist: Ich wollte nach Verschiebung des Programms die Zeit nutzen und mittels des Erasmus+ Programms ein Praktikum in Bordeaux Frankreich machen, um mein Französisch zu verbessern. Ende August hätte es losgehen sollen, die Koffer standen gepackt da, die Zugtickets waren gebucht, der Kontakt zur Gastfamilie war hergestellt, als ich einen Tag vor Abreise noch einmal die Website des Außenministeriums checkte und feststellte, dass Bordeaux als Risikogebiet eingestuft wurde. Was hieß das: Ich würde somit auf eigene Gefahr reisen und das Programm würde bei verfrühter Heimreise wegen Corona nicht aufkommen. Da ich das Risiko nicht eingehen wollte, und mir auch davon abgeraten wurde, wurde dies also auch abgeblasen, nur noch etwas kurzfristiger als das 37. PPP.

Noch auf dem Weg in den Norden, setzte ich mich mit einer Uni in England in Verbindung, bei der ich mich vorsorglich beworben hatte und die ich auf nächstes Jahr verschoben hatte – also eigentlich nach dem USA-Aufenthalt. Die Frau musste sich auch gedacht haben, ich hab sie nicht mehr alle, als ich ihr auf die E-Mail „Hey, kann ich verschieben?“ erneut antwortete mit „Hey, kann ich doch schon dieses Jahr anfangen? Achja, und ich bräuchte noch meine Kurse und stimmt, ein Dach überm Kopf wäre auch ganz nett.“ Erstaunlicherweise klappte das aber ohne größere Probleme und so kam es, dass ich am darauffolgenden Samstag im Flieger von Berlin nach Manchester saß. Nach einigen Komplikationen hatte es dann auch mit der Kurswahl geklappt, ich hatte tatsächlich noch einen Wohnheimplatz mit 5 Mitbewohnern bekommen und die Uni (UCLan in Preston) war sehr hilfsbereit. Das wäre jetzt nochmal ein komplett anderes Thema, aber da ich sowieso schon nicht auf den Punkt komme, lassen wir das 😀

Jedenfalls ging der gesamte Bewerbungsprozess noch einmal komplett von vorne los, mit Auswahltagen (diesmal online) und warten, warten, warten.

Anfang Januar kam dann der erlösende Anruf: „Du wurdest noch einmal nominiert, schließlich hast du gezeigt, wie sehr du es willst, und es soll auch ein Vertrauensbeweis sein.“ HALLELUJAH

Dieses Mal wurde das ganze komplett von CV (Cultural Vistas) organisiert, das heißt, die Vorbereitungsseminare fanden dann im März/April 2021 über Zoom statt und waren teilweise anders aufgebaut als im Jahr davor. Natürlich kannten die Ehemaligen schon einen Großteil der Inhalte, aber die Interkulturellen Trainings und das Planspiel waren dann doch different. Zwischendrin änderte sich dann auch noch mein Patenabgeordneter zu Herrn Gerald Ullrich.

Treffen mit meinem Patenabgeordneten MdB Gerald Ullrich in Meiningen

Besonders spannend wurde es, als es tatsächlich um neue Punkte ging, zB den Visumsantrag. Nach dem 3-stündigen Meeting, wie man das nämlich am besten beantragt, rauchten allen die Köpfe. Dies hielt einige jedoch nicht davon, die Meetings um 12 Stunden zu verlängern 😉 <3

Nach meiner Rückkehr und 14-tägigen Zwangsquarantäne aus England kamen die Dinge dann richtig ins Rollen. Impfungen, Arzttermine und, most importantly, der Konsulatsbesuch in München standen auf dem Plan. Das war auch das erste Mal, dass sich ein Teil des diesjährigen Cohorts in Person getroffen hat und es war einfach unglaublich schön sich mit den anderen auszutauschen.

Konsulatstermin München Ende Juni

Das waren sie also nun, der letzte Monat bis zur Ausreise… und wo war ich? In Frankreich, genauer gesagt in der Umgebung Bordeaux am Atlantik als Teil des Betreuerteams für eine Jugendreise. Wie sich rausstellte, sollte das auch erstmal das letzte Mal gewesen sein, dass ich Meer bzw Seen, die ich meiner Zeit in England so lieben gelernt habe, direkt um die Ecke habe. Dazu später mehr 😉

Ich würde sagen, der Eintrag ist jetzt schon lang genug, deswegen hebe ich mir weitere Themen wie die letzten Tage vor Ausreise und meine Platzierung für später auf, aber ich hoffe, dass dieser Blogeintrag ein bisschen informativ war, wie sich mein PPP Journey bis dato gestaltete. Alles weitere später!

Bis dahin,

Take care and stay safe!

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